Businessplan schreiben

Heute möchte ich einmal ausnahmsweise einen Schritt zurück machen – oder vielleicht doch nicht…

Eventuell habt Ihr, bevor das Gewerbe angemeldet war oder die Freiberuflichkeit vom Finanzamt bestätigt wurde, als Ihr noch in der Planung Eures Business wart, einen Businessplan geschrieben. Menschen wollen aus den unterschiedlichsten Gründen einen Businessplan schreiben. Die einen möchten einen Existenzgründerzuschuß von der Agentur für Arbeit haben, andere wollen den Businessplan dann zur Fremdkapitalbeschaffung bei der Bank oder Investoren vorlegen, bei schon bestehenden Unternehmen soll oftmals untersucht werden, ob ein Investment, ein Projekt einzuführen und zu starten, Sinn macht. Teilweise wollen sogar gewerbliche Vermieter von jungen Unternehmerinnen und Unternehmern einen Businessplan haben – ob sie ihn lesen und verstehen können, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe sogar von Existenzgründern gehört, dass die Bank zur Eröffnung eines Geschäftskontos einen Businessplan haben wollte – ich würde mir eine andere Bank aussuchen. Fragt mich ruhig, ich kann guten Gewissens eine empfehlen, nach fast 20 Jahren Tätigkeit in der Bankenbranche.

Eigentlich schade, aber ich höre nur wenig in Gesprächen: “Das ist meine Planung, das sind meine Ideen, das ist mein Arbeitspapier für die kommenden ein bis zwei Jahre, oder auch nur für ein bestimmtes Projekt, ich will wissen, ob es sich lohnt, das Kapital dafür zu investieren.  Dafür schreibe ich meinen Businessplan!”  Aber nun los.

Was ist eigentlich genau ein Businessplan?

Es gibt viele Definitionen. Zwei, die mir wirklich gut gefallen:

  1. Der Businessplan stellt einen Fahrplan für die Existenzgründung und den zukünftigen     Unternehmensaufbau dar.
  2. Darstellung der Ziele und der geplanten Verwirklichung eines unternehmerischen Projekts.

Wenn der Businessplan fertig ist und er vielleicht auch einer dritten Person (Investoren, Banken, Agentur für Arbeit, etc.) zur Entscheidung vorgelegt wurde, wandert er bitte nicht in die Schublade und verstaubt. Dieser Businessplan ist Eure Arbeitsgrundlage für die nahe Zukunft.

Businessplan schreiben – wie fange ich am besten an?

Grundsätzlich besteht der Businessplan aus der Unternehmenskonzeption (Textteil) und der Unternehmensfinanzierung/dem Finanzplan (Zahlenteil). Meine Erfahrung ist es, dass unheimlich viele Menschen sehr viel Zeit mit dem Deckblatt verbringen. An welche Stelle soll das Logo von meinem Unternehmen platziert werden? Ein leicht blauer Hintergrund wirkt doch beruhigend oder ist das Rot an der Stelle zu aggressiv? Meine Bitte an Euch an dieser Stelle: Macht das bitte ganz zum Schluss, wenn der Textteil und der Zahlenteil fertig sind.

Noch eine Anmerkung: Schaut euch ruhig die eine oder andere Vorlage eines Businessplans im Netz an. Vielleicht findet Ihr sogar eine Vorlage, ein Beispiel, das zu Euch, eurem Unternehmen, zur Branche passt, holt Euch Tipps und Anregungen (nicht Zuviel, das verwirrt), aber: Bitte kein Copy und Paste! Ihr spart dadurch keine Zeit, ganz im Gegenteil, ggf. müsst Ihr den Businessplan sogar doppelt schreiben. Die Person, die ihn liest, tut das meistens nicht zum ersten Mal und merkt ganz schnell, dass dieser Businessplan zusammenkopiert wurde und dann wirft das ein schlechtes Licht auf Euch.

Also: Businessplan schreiben, selbst! und/oder sich professionelle Hilfe holen!

Es geht los. Fangt einfach und unkompliziert an. Nehmt Euch Papier und einen Stift und fangt handschriftlich an, aufzuschreiben:

– Was ist meine Idee? Was will ich tun? Wofür brenne ich? Was ist die Idee des Projektes? Was sind Eure Ziele und die des Unternehmens? Schreibt so, wie es Euch gerade in den Kopf kommt. Ordnung kommt später, erstmal ist die Auseinandersetzung mit dem Inhalt wichtig. Über potentielle Risiken Eures Vorhabens müsst Ihr euch auch im Klaren sein und am Ende der Zusammenfassung, der Geschäftsidee aufführen. Nach der Idee kommt der nächste Schritt und übrigens, die (Geschäfts)Idee erscheint im Businessplan ganz vorne, auch wenn Ihr sie erst zum Schluß formulieren und ins Reine bringen solltet.

– Welche Voraussetzungen – der nächste Schritt – bringe ich/ mein Unternehmen mit? An dieser Stelle lese ich gerne über Ausbildungen und Berufserfahrungen, gelungene Projekte. Es bietet sich an dieser Stelle an, eine Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT) zu erstellen. Ein Beispiel dafür, und was das genau ist, findet ihr sicher an verschiedenen Stellen im Netz. Wenn nein: Fragt mich!

– In einem nächsten Kapitel beschreibt Ihre Eure Dienstleistung oder das Produkt. Beschreibt hier in einem ersten groben Überblick, was Eure Kunden von Euch erwarten dürfen.

Markt, Wettbewerb und Zielgruppen wären in einem weiteren Kapitel zu behandeln. Das Erfassen der Gedanken, das Auseinandersetzen mit dem Markt, mit der Brache, wie ist die aktuelle Entwicklung, was kommt auf Euch zu, wie ticken Eure möglichen Kunden, was denken die, ist anspruchsvoller, als es sich zunächst darstellt. In den meisten Branchen ist die Torte für die Wettbewerber bereits aufteilt. Der Markt und die Kunden sind sozusagen schon vergeben. Jetzt kommt Ihr und wollt auch ein Stück abhaben. Das Stück Torte soll groß sein und Euch gut schmecken. Bitte untersucht das bitte ganz, ganz kritisch. Werdet Euch klar darüber, dass Ihr mit eurem Unternehmen vermutlich nicht die einzigen seid. Untersucht den Wettbewerb.

Was machst Du anders (nicht besser – das wäre recht gewagt), als der Wettbewerb? Warum soll der Kunde bei Dir kaufen – ganz doofe Frage, ich weiß. Versuche hier mit den Augen der Kunden zu gucken. Erinnere Dich an Situationen aus dem Alltag, als Du dachtest “finde ich toll, oder geht gar nicht, hier kaufe ich garantiert nicht”.

– Auch über die Unternehmensorganisation müßt Ihr euch Gedanken machen (so Ihr Existenzgründer seid). Welche Unternehmensform habt ihr gewählt und warum. Was sind die Vorteile der gewählten Unternehmensform und welche Nachteile habt Ihr durch die Wahl.

Benötigt Ihr noch besondere Zulassungen und Genehmigungen, welche Behördengänge müssen erledigt werden?

Bevor Ihr endlich mit dem Zahlenteil (Finanzplan) startet und Ihr jetzt noch Power habt, dürft Ihr richtig Vollgas zum Thema Marketing und Vertrieb geben. Wie kalkuliert Ihr die Preise, welche Preisstrategie habt Ihr gewählt und warum? Bist Du teurer als der Wettbewerb, dann darfst Du erläutern, welchen Zusatznutzen der Kunde wahrnimmt und Dir gerne den Preis zahlt, den Du kalkuliert hast. Wie gestaltest Du den Vertrieb, wie willst Du Kunden gewinnen, wie erreicht Dein Angebot die potenziellen Kunden. Oft höre ich, dass das “persönliche Netzwerk” groß ist und schon helfen wird – Bullshit! Bitte mache Dir ernsthafte Gedanken dazu, wieviele Kunden brauchst Du, wieviele willst Du pro Tag/Monat, etc. gewinnen. Ich sehe sonst die Gefahr, dass man sich auf sein Bauchgefühl verlässt (“das passt schon”), und damit die Umsätze im Finanzplan reine Schätzungen sind.

Noch einmal zur Erinnerung: Du bist noch mitten im Brainstorming. Schriftgröße, Format, gebunden oder nicht, kommen viel später.

Im Prinzip habt Ihr nun den Textteil in Kladde fertig.

Was gehört in den Zahlenteil?

Auch die Zahlen, ob nun Umsatzzahlen, Kosten, oder, oder sollten auch für den Leser, der nicht aus Deiner Branche kommt, nachvollziehbar sein. Gerne nutze ich Erläuterungen auf einem Vorblatt oder auf der Seite vor dem Tabellenwerk, um eventuelle entstehende Fragen zu vermeiden. Dafür ist es schwer, Tipps im Netz zu finden, denn es sind Eure individuellen Zahlen, die inhaltlich aus dem Textteil hergeleitet werden sollten und somit erklärt sind.

Ein Muß im Zahlenteil ist die Rentabilitätsvorschau und die Liquiditätsbetrachtung des Unternehmens. Je nachdem, wird noch eine Kapitalbedarfsanalyse und/oder die Berechnung Eures unternehmerischen Lohnes erstellt und beigefügt.

So, viel Inhalt, der zunächst verarbeitet werden sollte, denke ich. Auf den Zahlenteil im Detail (ist hier bewusst recht kurz gekommen) werde ich in einem extra Beitrag noch einmal eingehen.

Das Erstellen eines Businessplans ist nicht einfach, aber auch kein Hexenwerk. Ihr müsst Euch selber darin wiederfinden und das Vorhaben gleichzeitig kritisch hinterfragen. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder braucht Hilfe, meldet Euch – ich würde mich freuen.

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